Adressrisiko

Adressrisiken (Kreditrisiken, Kontrahentenrisiken) müssen im Geschäftsbetrieb mit Kunden als auch in den Eigenanlagen berücksichtigt werden. Eine modernes Adressrisikocontrolling schaut nicht allein auf den erwarteten und unerwarteten Verlust, sondern unterstützt insbesondere die Gesamtbank durch das rechtzeitige Erkennen von Entwicklungen und das Auslösen von Steuerungsimpulsen.

Als Teil eines größeren Projektes zum Thema Adressrisikomessung im Kundengeschäft, welches die Enrion GmbH in einer Bank durchgeführt hat, wurden wir mit der methodischen Weiterentwicklung der Werkzeuge zur Parametervalidierung betraut.

Referenzprojekt der Enrion GmbH
Durchführungszeitraum: 2015/2016
Kunde: Bank

Ausgangssituation

Die wesentlichen Parameter, die in das Kreditportfoliomodell für das Kundengeschäft der Bank einfließen, sind die Migrationsmatrizen mit den Migrationswahrscheinlichkeiten pro Ratingklasse und die Schwankung der Ausfallraten, die die Korrelation zwischen den Ausfällen der einzelnen Kreditnehmer beinhaltet. Die Migrationswahrscheinlichkeiten wurden in der Bank bisher mithilfe der Mittelwertmethode berechnet, während für die Schwankung der Ausfallraten auf die Standardabweichung der Ausfallratenzeitreihe zurückgegriffen wurde. Beiden Berechnungen lagen rollierende Zeitabschnitte zugrunde.

Aufgaben und Anforderungen

Die Enrion GmbH wurde beauftragt, die aktuell eingesetzten Verfahren kritisch zu bewerten und aufsichtlich akzeptierte und mathematisch-statistisch valide Alternativen zu identifizieren. Weiterhin war gewünscht, die neuen Werkzeuge softwareseitig zu implementieren, sodass sie zukünftig jederzeit für die zuständigen Mitarbeiter der Bank einsetzbar sind.

Umsetzung von Enrion

Eine statistisch stabilere Methodik für die Berechnung der Migrationsmatrizen ist die sogenannte Kohortenmethode, die als aufsichtlich akzeptiertes "state-of-the-art" Verfahren gilt. Dabei findet eine Gewichtung der Migrationswahrscheinlichkeiten nach der Größe der Klasse statt. Dieses Verfahren wurde von Enrion in der Adressrisiko-Datenbank implementiert und ist dort jederzeit als Bericht verfügbar, der flexibel an die jeweils aktuellen Bedürfnisse angepasst werden kann.

Zur Berechnung der Schwankung der Ausfallraten wurde zunächst eine Zeitreihenanalyse der Ausfallratenzeitreihe durchgeführt. Hierbei kamen etablierte Methoden der Finanzmarktökonometrie zum Einsatz, um die für die Berechnung der Standardabweichung bzw. Volatilität notwendigen mathematischen Voraussetzungen herzustellen. Weiterhin wurde eine Methode zur Clusterung der Ratingklassen entwickelt, die es erlaubt, Ratingklassen zum Zwecke der Schwankungsberechnung nach mathematischen Kriterien zusammenzufassen. Auf Basis der bereinigten Ausfallzeitreihe und der eingeführten Clusterung konnten schließlich statistisch valide Ausfallratenschwankungen berechnet werden. Diese Verfahren wurden in Form eines Ergänzungstools bereitgestellt.

Projektfazit

Die implementierten Validierungswerkzeuge ermöglichen eine stabilere und statistisch valide Bestimmung der Migrationswahrscheinlichkeiten und der Volatilität der Ausfallwahrscheinlichkeiten. Dies wiederum stellt die Kreditportfoliomodelle, die auf diesen Parametern aufbauen, auf eine solide Grundlage.


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