Marktpreisrisiko

Marktpreisrisiko ist das Risiko, welchem sich Banken, Versicherungen, Clearing-Stellen und alle Finanzmarktjongleure gegenübersehen, wenn sie sich nicht Zinsänderungsrisikofrei gestellt haben. Aber auch Korrelationsannahmen oder Optionen im Portfolio können sich zu ernsten Marktrisiken entwickeln - wenn die sich ständig verändernden Finanzmärkte nicht regelmäßig überwacht und die zur Bewertung verwendeten Modelle und Verfahren stetig überprüft und nachjustiert werden.

Aufsichtsrechtliche Anforderungen z.B. aus der SolvV, den MaRisk oder Solvency II erhöhen den regulatorischen Druck auf Institute und Unternehmen, welche Marktpreisrisiken halten, diese angemessen zu würdigen.

Im Folgenden stellen wir Ihnen ein Referenzprojekt für das Thema Marktpreisrisiko vor:

In einem größeren Projekt, welches die Enrion GmbH bei einer Bank zum Thema Marktpreisrisiko durchführte, wurden wir mit einem Teilprojekt im Bereich Optionsbewertung beauftragt. In diesem Teilprojekt entwickelten und dokumentierten wir ein Verfahren, welches Optionen im Umfeld negativer Zinsstrukturkurven adäquat bewertete.

Referenzprojekt der Enrion GmbH
Durchführungszeitraum: 2016
Kunde: Bank

Ausgangssituation

Für die seit einiger Zeit auftretenden negativen Zinsen sind die bisher benutzten Modelle zur Optionspreisbewertung, insb. das Black Scholes Modell, nicht angepasst. Im Black Scholes Modell wird der Wert des Underlyings \(S_t\) (bspw. einer Aktie) mittels einer geometrischen brownschen Bewegung modelliert. Damit ist \(S_t\) lognormalverteilt, was negative Werte ausschließt. Für Zinsoptionen oder negative Forwardrates ist somit das Black Scholes Modell (oder das oft anzutreffende Black 76 Modell) nicht geeignet.

Aufgaben und Anforderungen

Die Enrion GmbH wurde beauftragt, den Bestand an Floatern und Stufenzinsanleihen durch ein geeignetes (zu entwickelndes) Modell zu bewerten. Dies beinhaltet zunächst eine Konkretisierung der aufsichtlichen Anforderungen und anschließend eine stabile und performante Implementierung der neuen Algorithmik in einem Prototyp. Anhand dieses Prototyp sollte anschließend der Bestand bewertet und so aufbereitet werden, dass die Analyse der Optionswerte in der Risikosteuerung berücksichtigt werden konnten.

Umsetzung von Enrion

Als Bewertungsmodell wählten wir das sog. Bachelier (oder Normal Black Scholes) Modell, da es robust gegenüber Negativzinsen ist und weiterhin von Bankendachverbänden empfohlen wurde.

Umgesetzt wurde die Methodik in Form der Finiten Differenzen Methode und - um die Bewertung doppelt abzusichern - mittels Monte Carlo Simulation.

 

Projektfazit

Im aktuellen Zinsumfeld ist das übliche Modell zur Optionspreisbewertung nicht anwendbar. Dies kann zu Fehlbewertungen führen, die sich letztlich in einem zu geringen Risikoausweis für Optionsrisiken niederschlagen können. Die alternative Modellierung mithilfe des Bachelier-Modells sollte im aktuellen Umfeld als Alternative herangezogen werden, da sie prinzipiell in der Lage ist, die Marktgegebenheiten adäquat in den Bewertungsprozess einzubeziehen.