Marktsicherheit und -transparenz durch MiFIR/ MiFID II

Die MiFID II –Richtlinie (Richtlinie 2014/65/EU) ist eine Erweiterung der MiFID (= Markets in Financial Instruments Directive) und muss bis zum 03.01.2018 in nationales Recht übernommen und angewandt werden. Zum einen wird MiFID II zu massiven Änderungen in Prozessen, Systemen, Modellen und der Organisationen von Banken führen. Zum anderen werden die nationalen Aufsichtsbehörden in ihrer Überwachungsfunktion weiter gestärkt.

Das Ziel von MiFID II/ MiFIR ist die Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Wirtschaftsraum sowie des Umgangs mit Märkten außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums. Das Paket reguliert dabei auch das Verhalten aktiver Akteure (Firmen, Fonds, Banken). Die wichtigsten Punkte sind dabei:

  • die Erweiterung der Marktintegration
  • die Verschärfung der Transparenzanforderungen
  • die Umsetzung von Product Governance 
  • die Stärkung des Anlegerschutzes (u.a. in der Anlageberatrung)

Neue Handelsplattform für Finanzmärkte

Ab 2018 wird ein neues multilaterales "organisiertes Handelssystem" (OTF) eingeführt, um zukünftig die "dunklen Märkte" abzulösen. Die Definiton für OTFs ist nicht detailliert und schließt damit keine Ausführungsarten von Kundenaufträgen explizit aus.

Transparenz

Mit MiFID II werden die bereits umgesetzten Transparenzregeln auf weitere Produkte ausgeweitet und verschärft. Sie regelt auch die Meldung von Transaktionsdaten und erweitert den Umfang der zu übermittelnden Daten an die Aufsichtsbehörden. Die Integration der vorgeschriebenen Datenmodelle in die notwendigen Abläufe, IT-Prozesse und Systeme wird für die Akteure einen hohen Anpassungsbedarf bedeuten.

Product Governance

Zukünftig sind Hersteller und Vertriebsparteien verpflichtet, interne Genehmigungs- oder Aufnahmeprozesse für neue Produktentwicklungen zu implementieren. Schon während der Entwicklung wird durch den Herrsteller ein Zielmarkt definiert. Dieser wird wiederum durch die Vertriebsparteien gegengeprüft und konkretisiert. Nach einem erfolgreichem Abschluss sind die Produkte kontinuierlich zu monitoren und bei Bedarf unterschiedliche Maßnahmen zur Intervention einzuleiten, um eine Gefährung der Finanzmärkte zu verhindern. In regelmäßigen Abständen ist dabei auch der Kunde über der aktuellen Stand und eventuellen Veränderungen der Finanzproduktes zu informieren.

Anlageberatung

Zukünftig müssen alle Maßnahmen getroffen werden, um einen Interessenkonflikt mit den Kunden zu verhindern. Dies bedeutet, dass ein Berater unfangreiche Produktdetails offenlegen muss u.a. auch Provisionen. Monetäre Vorteile im Rahmen einer unabhängigen Anlageberatung sind nicht mehr erlaubt. Das seit Jahren bekannte Beratungsprotokoll wird für Privatkunden nun zur Geeignetheitserklärung, da die eigenen Kunden für ein Beratungsgespräch mit den Zielmärkten abgeglichen werden. Abschlüsse abseits der Zielmärkte sind in ausführlicher Form zu dokumentieren. Die Berater müssen zusätzlich für die einzelnen Produkte oder Services geschult sein, um eine Kundenberatung durchführen zu dürfen.

Allgemein gibt es umfangreiche Dokumentationsstandards zur Aufzeichnung von elektronischer Kommunikation mit dem Kunden. Dies umfasst nicht nur das Anlagegespräch, welches zu einem Abschluss führt, sondern jedes Gespräch was sich mit Finanzprodukten und Services aus dem Spektrum befasst.